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Klimawandel in Bayern aktuell - der Klimareport Bayern 2015

Ein Temperaturanstieg seit 1881 um 1,4°C, eine Verlängerung der Vegetationsperiode zwischen 1961 und 2010 um 26 Tage, ...

Der Klimareport Bayern stellt die wesentlichen klimatischen Veränderungen in Bayern in der Vergangenheit und der Zukunft dar und beschreibt die Folgen für die  Bayerische
Klimaanpassungsstrategie. Zu nennen sind insbesondere Wasserwirtschaft, Böden, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gesundheit, aber auch Wirtschaft und Tourismus, Verkehr und Energieversorgung. Nicht zuletzt sind auch die Alpen stark vom Klimawandel betroffen.

 

Wie verändert sich das Klima in Bayern?

  • Die mittlere Jahrestemperatur in Bayern (Zeitraum 1971 – 2000) beträgt 7,8°C. Im Zeitraum 1881 bis 2014 ist die Temperatur in Bayern um 1,4°C angestiegen. Besonders deutlich ist der Temperaturanstieg seit Ende der 1980er Jahre. So liegen neun der zehn wärmsten Jahre Bayerns im Zeitraum ab 1990. Der Gesamttrend der Temperaturzunahme ist im Winter stärker ausgeprägt als im Sommer. Die Entwicklung geht weiter. Im Mittel wird für Bayern in der nahen Zukunft (2021 – 2050) ein Temperaturanstieg von + 1°C bis 2°C prognostiziert, für die ferne Zukunft (2051 bis 2100) reicht der Bereich von + 2°C bis 4,5°C.

    Der Klimawandel wird sich also deutlich beschleunigen. Dies schlägt sich in den direkt für den Bürger wahrnehmbaren Erfahrungen nieder, den sog. „Kenntagen“.
    • Eistage (Maximum der Lufttemperatur liegt < 0°C = Dauerfrost) gibt es in Bayern (Zeitraum 1971 – 2000) im Mittel 30, maximal 68 pro Jahr (1963). In der nahen Zukunft (2021 – 2050) wird diese Kennzahl um 9 bis 21 Tage abnehmen, in der fernen Zukunft (2051 bis 2100) um bis zu 33 Tage.
    • Die heißen Tage (Tage mit einer Maximaltemperatur von mindestens 30 °C) werden von im Mittel aktuell 5 (1971 – 2000) um bis zu 14 Tage (2021 – 2050) und bis zu 30 Tage (2051 – 2100) zunehmen.
  • Schneebedeckung. Entsprechend der Abnahme von Frost- und Eistagen nimmt auch die Schneebedeckung ab. Schon im Zeitraum 1951/52 – 2010/11 hat sich die Anzahl der Schneedeckentage signifikant verringert. In den östlichen Mittelgebirgen und im Alpenvorland wurden an fast 40 % der Stationen negative Trends gefunden, in den Alpen besteht der Trend an 55 % der Stationen.
  • Phänologische Uhr. Auch die Jahreszeiten verschieben sich. Die Vegetationsperiode von Frühlingsbeginn bis Herbstende dehnt sich rasch aus. Der signifikante Trend für den Zeitraum 1961 bis 2010 zeigt eine Verlängerung um insgesamt 26 Tage, also fast einen Monat.

  • Hochwasser. Schon bisher (1932 – 2010) nahmen die Hochwasserabflüsse an der Mehrzahl der Pegel in Bayern im Gesamtjahr und im Winterhalbjahr zu, während im Sommerhalbjahr tendenziell von einer Abnahme auszugehen ist. Dies ist den Klimaprojektionen zufolge auch für die Zukunft anzunehmen.

    (Niederschlagsabnahme bis 2071-2100 im Sommer (links) und im Winter (rechts))
  • Die mittlere Jahrestemperatur der bayerischen Fließgewässer hat sich mit der Klimaveränderung merklich erhöht. Im Rahmen von KLIWA wurde ermittelt, dass die Temperaturzunahme seit 1980 bei rd. + 0,5 °C je Dekade liegt. Schwerpunkte der Erhöhung sind die Monate Mai bis August. Damit sind weitgehende Veränderungen von Tier- und Pflanzengesellschaften verbunden, z.B. Rückzug temperatursensibler Arten (Bachforelle, Insektenarten) an den Oberlauf der Flüsse.
    Die Temperaturzunahme gilt auch für bayerische Seen. Durch Sauerstoffmangel kann es zu ernsten Beeinträchtigungen der Lebensgemeinschaften kommen. Diesen Phänomenen muss durch gezielte wasserwirtschaftliche und planerische Maßnahmen entgegen gesteuert werden. Hierzu zählen Wärmelastpläne und Melde- und Alarmpläne.
  • Die Veränderung der klimatisch bedingten Niederschlagsverhältnisse führt insbesondere im Bergland zu Wildbachgefahren, Georisiken und Lawinen. Dabei können sowohl die Anzahl der Ereignisse als auch die Intensität zunehmen. Dies ist vor dem Hintergrund eines erhöhten Siedlungsdrucks in den Alpen zu sehen.
  • Mit den Veränderungen des Klimas sind auch vielfältige Folgen für die menschliche Gesundheit und Krankheitsbilder verbunden. Hierzu gehören in erster Linie Herz-Kreislaufkrankheiten, Haut- und Augenerkrankungen und Allergien.
    Insbesondere Hitzewellen stellen eine starke Belastung für Risikogruppen dar. Steigen die Außentemperaturen von einem auf den nächsten Tag um mehr als 5 °C, wächst die Herzinfarktgefahr um 60 % für Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen. Ein Hitzewarnsystem, wie es in Bayern besteht, ist eine wichtige Anpassungsmaßnahme. Ebenso muss die Stadtplanung auf die hohe thermische Belastung insbesondere in Städten reagieren.
    Mit stärker werdender UV-Strahlung, die für die Vergangenheit dokumentiert ist, nimmt auch die Gefahr von Haut- und Augenerkrankungen sowie Hautkrebs zu. Verbesserte Prävention und Aufklärung der Bevölkerung sind notwendige Anpassungsmaßnahmen.
    Im Zuge des Klimawandels hat sich die Flugzeit von Gräser- und Baumpollen verlängert. In Süddeutschland setzt der Pollenflug seit 1980 um 20 Tage früher ein und dauert 24 Tage länger. Zudem hat sich die jährliche Pollenmenge mehr als verdoppelt. Der Klimawandel scheint ein wichtiger Ko-Faktor bei der Entstehung allergischer Atemwegserkrankungen und Heuschnupfen zu sein. Wichtige Anpassungsmaßnahmen sind die Bekämpfung der Ausbreitung allergie-auslösender Pflanzen (Aktionsprogramm „Ambrosiabekämpfung in Bayern“), Berücksichtigung des allergenen Potenzials bei der Bepflanzung öffentlicher Räume, Aufklärung der Bevölkerung und Monitoring der atmosphärischen Pollenkonzentration (Aufbau eines regionalen Pollenmessnetzes).

Quelle: http://www.stmuv.bayern.de/umwelt/klimaschutz/forschung/klimareport2015.htm

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