Die Toshka-Lakes: Das New Valley Projekt -
neue landwirschaftliche Fläche für immer mehr Bevölkerung


1999: man sieht wie nach einer drohenden Überfüllung des Nasserstausees (große Fläche rechts im Bild) während sehr üppigen Flutsaisons ab 1997 Wasser in die Toshka-Senke abgeleitet wurde und dort neue Seen bildet. Um auch bei normalem Wasserstand des Nasserstausees die Seen zu erhalten wurden gewaltige Pumpanlagen am Stausee installiert.
Image provided by the Earth Science and Image Analysis Laboratory, Johnson Space Center (MODIS-Sensor)

Wo im Jahr 2000 nur Wüste war, sollen in einer ersten Ausbaustufe 2010 bis zu drei Millionen Menschen leben, arbeiten und versorgt werden. Angrenzend an den Nasser-Stausee, soll die zusätzliche Seefläche der Bewässerung dienen, aber auch der Fischzucht.
Neue Anbauflächen benötigt Ägypten auf Grund stetig steigender Bevölkerungszahlen dringend. Im Moment leben etwa 70 Millionen Menschen im Land, in 20 Jahren könnten es 120 Millionen sein.

New Valley ist der teure Traum des ägyptischen Staatspräsidenten Mubarak, der nur mit großzügigen Spenden aus anderen arabischen Ländern verwirklicht werden kann. Ob das New Valley-Projekt eine Erfolg sein kann stellen viele Experten in Frage: zu viel Wasser dürfte verdunsten, der Boden könnte zudem schnell versalzen.


Diese beiden Satellitenbilder zeigen die Flutung neuer Stauräume im Anschluss an die Toshka-Seen im Jahr 2001, die der Erschließung neuer landwirtschaftlicher Flächen im Rahmen des New Valley-Projektes dienen sollen. Auch gewaltige neue Städte sollen enstehen.

Einige Daten und Fakten:
Mubarak Pumpstation (Inbetriebnahme 03/2005) - soll 200.000 ha Ackerland mit Wasser versorgen (Kosten ca. 500 Mill. Euro),
- besteht aus 24 Pumpen, von denen 18 ständig laufen (Wasser-fördermenge pro Tag ca. 24 Millionen m3),
- fördert Wasser aus 150 Meter Tiefe aus dem Nasserstausee (selbst bei mehrjähriger Dürre sinkt der Wasserspiegel des Stausees nicht so tief (max. Wasserstand im See 182 m))
Sheik Zayed-Kanal (fertig 2005) 50 km lang, offene Konstruktion, 8 m tief, oben ca. 50 Meter breit, Beton mit mehrfacher Abdichtung
4 Seitenkanäle zur Wasserverteilung (fertig 2005) 22 km lang
114 Tiefbrunnen (Stand 2005) erschließen zusätzlich fossile Grundwasservorräte, da das Projekt nur mit Nilwasser nicht durchführbar ist (siehe unten: Probleme)
Landwirtschaft Ende 2005 Auf Testfeldern werden Melonen oder Trauben angebaut, alles befindet sich noch etwas im Versuchsstadium.
   
Fertigstellung Gesamtprojekt 2017
Siedlungsfläche (Endausbau) angestrebt ist eine Verfünffachung der bisher in Ägypten verfügbaren Siedlungsfläche (von 5% des Landes auf 25%), 18 neue Städte sollen entstehen
landwirtschaftliche Nutzfläche (Endausbau) ca. 1.375.000 ha
Kosten Gesamtprojekt (voraussichtlich) ca. 60 Milliarden Euro
Finanzierung hauptsächlich Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, ...

 


11.12.2005: Teile der Toshkaseen scheinen ohne Wassernachschub und bei beginnender Bewässerung von neu angelegten Feldern bereits verschwunden zu sein. Der 50 Kilometer lange Sheik Zayed-Kanal mit 22 Kilometer langen Nebenkanälen ist gut sichtbar.
(Ins Bild klicken für eine unbeschriftete große Abbildung)
ISS Crew Earth Observations experiment and the Image Science & Analysis Group, Johnson Space Center

Probleme
1. mit den übrigen Nutzern des Nilwassers:
In Nordafrika und dem Mittleren Osten leben mehr als 6% der Weltbevölkerung, aber weniger als 2% der weltweiten Süßwasservorräte sind dort verfügbar. Der extreme Wasserverbrauch macht den Nachbarn Ägyptens große Sorgen.
Ägypten argumentiert, dass die Nilwasserentnahme von 55 Milliarden Kubikmetern pro Jahr (wie im Nilvertrag von 1959 festgelegt) eingehalten werden kann, da 1 Milliarde Kubikmeter Niederschlag, 7,5 Milliarden Kubikmeter Grundwasserentnahme und 5 Milliarden Kubikmeter wiederaufbereitetes Wasser von den landwirtschaftlichen Nutzflächen mit in den Gesamtverbrauch eingerechet worden sind.

2. mit dem Grundwasserverbrauch:
Fossile Grundwasservorräte werden nicht mehr ergänzt, sie sind damit irgendwann aufgebraucht.

3. mit der Bodenqualität und der Versalzungsgefahr:
Um einer Bodenversalzung entgegenzuwirken sind häufig große Mengen an Wasser nötig, die das aus dem Boden aufsteigende Salz abtransportieren. Damit könnte der Wasserverbrauch drastisch annsteigen.
Die Bodenqualität wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen, evtl. sind sehr große Mengen an Kunstdünger einzusetzen, um einen akzeptablen Ertrag zu sichern.

4. mit der hohen Verdunstungsrate:
In Mitten der Sahara, bei 40°C und mehr und bei relativen Leuftfeuchtgkeitswerten unter 30% ist die Verdunstung extrem hoch. Ob die Toshkaseen von Dauer sein werden hängt sehr vom Wassernachschub ab. Auch könnten sich an den Rändern bald Salzkrusten bilden, denn es wird ja andauernd Wasser eingedampft, Salze und Mineralien bleiben zurück.

Quellen:

  • http://www.water-technology.net/projects/
  • http://www.arabicnews.com/

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